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Bist du sicher, Martinus?

© Inge Braune

Maria Warkentin als kluge, schelmisch-heitere und manchmal aufgebrachte Katharina von Bora wurde unterstützt von ihrem Mann Peter Warkentin (links), der Passagen aus Luthers Tischreden vorlas. Bernhard Klein (links) rundete die Darstellung mit Luther-Vertonungen an der Gitarre ab.

Es war die Hochzeit der Frauenbewegung, als Christine Brückner 1983 unter dem Titel "Wenn du geredet hättest, Desdemona" elf "ungehaltene Reden ungehaltener Frauen" veröffentlichte. Eine dieser Reden war: "Bist du sicher, Martinus? Die Tischreden der Katharina Luther, geborene von Bora". Fürs Jahr des Reformationsjubiläums hat sich Maria Warkentin seit dem vergangenen Sommer intensiv mit Brückners Bora-Text auseinandergesetzt. Ob die siebzehn Textseiten nicht doch zu böse seien, zu hämmernd, zu verbissen und verbiestert, um gerade im Jubiläumsjahr auf die Bühne gebracht zu werden?

Starker Tobak

Der erste Texteindruck beim Lesen war auch damals: Starker Tobak. Und: Recht hat sie, die Brückner-Katharina! Es geht nicht an, als die, die Luthers breit aufgestellten Wittenberger Haushalt führte, nicht nur im Schatten des berühmten Predigers zu stehen, sondern auch, sich vor versammelter Tischgesellschaft anhören zu müssen, dass das Weib zu gehorchen habe.

Brückner, Jahrgang 1921, wusste genau, wovon sie schrieb beim Bora-Text: Sie selbst entstammt einem evangelischen Pfarrhaus, in dem, so ist zu ahnen, bei manchem Mahl auch Luthers Tischreden zur Sprache kamen. Wo aber bleibt die Stimme der Frau an Luthers Seite, fragte sich Brückner; sie lieh nicht ihr, sondern unter anderen auch Goethes Ehefrau Christiane, Frauengestalten der antiken Sagenwelt und Maria, der Mutter Jesu, ihre Stimme.

Wahrgenommen zu werden mit den eigenen Wahrnehmungen ist, auch wenn seit der Drucklegung mittlerweile ein Drittel eines Jahrhunderts verstrichen ist, auch gegenwärtig noch ein Problem vieler Frauen, und keineswegs nur von Frauen in typisch männergeprägten Gesellschaften: Würde tatsächlich heute ein Luther - dank des frisch erfundenen Guttenberg-Buchdrucks eine echte Mediengröße, ein Star der Massen, hie angehimmelt, da verteufelt - der Lebensgefährtin mehr Empathie und vor allem mehr Gehör schenken? Ein Seitenblick in Reportagen unter dem Stichwort "Gesellschaft" genügt.

"Bist du sicher, Martinus?" fragt Christine Brückner. Und ihre Katharina von Bora wird in Maria Warkentins Interpretation faszinierend lebendig: Eine warmherzige, kraftvolle Frau, die den komplexen, berühmten Mann, der sich zeitlebens mit dem Dämonen herumzuplagen glaubte, umsorgte und ihm den Rücken frei hielt für allfällige Auseinandersetzungen mit kirchlich wie weltlich gekrönten Häuptern, Theologen und Anführern jedweder Provenienz. Maria Warkentin präsentiert eine Liebende, die dem Vaterunser eine weitere Bitte hinzufügen möchte: "Meinen täglichen guten Willen gib mir heute! Aber er reicht nicht an jedem Tag bis zum Abend."

Gekonnt hat das Russland-Deutsche Theater den Brückner-Text für die kleine Bühne inszeniert: Tisch, Bank, Stuhl, dazu eine Zinkwanne, etwas Geschirr, Wäschestücke genügen Maria Warkentin, einen ganzen Hausstand in die Vorstellungswelt zu holen, samt Garten, großem Mittagstisch, Scholaren, Pfleglingen und Gesinde.

"Dich erfrischt ein kräftiger Zorn? Mich auch!", wirft Maria Warkentin ihrem Martinus entgegen. Seinen Part übernimmt Peter Warkentin mit Zitaten aus den Lutherschen Tischreden: Hinterlassenschaft emsig mitschreibender Scholaren, die als Studenten im Hause Luther gegen Kostgeld lebten und ihre Studien ergänzten. Aus dem "Off" mischt er sich ein, denn jetzt gehört Katharina die Bühne, Katharina - nur jetzt einmal eben nicht dem berühmten Reformator.

Perfekte Kombination

Perfekt ist diese Kombination, gelungen auch die fein und leise gehaltene musikalische Gestaltung mit bekannten Melodien zu Luthers Kirchenliedern, die Bernhard Klein beisteuerte. Bis auf den letzten Platz besetzt war der Zuschauerraum vor der kleinen Bühne bei Moritz und Lux.

Das Publikum war von Maria Warkentins Katharina von Bora hellauf begeistert.

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 14.03.2017

 

„Kleine Eheverbrechen“ von Eric Emmanuel Schmitt

Beziehungskomödie mit Tiefgang und psychologischen Raffinessen! Mit „Kleine Eheverbrechen“ von Eric-Emmanuel Schmitt setzt das Russland-Deutsche Theater Niederstetten ihre Reihe mit Beziehungskomödien fort.  Die Premiere ist am Samstag, 27. Februar um 20.00 Uhr im Amtshaus Oberstetten. Der Autor Eric Emmanuel Schmitt wurde mit kleinen Erzählungen über die großen Religionen der Welt international berühmt. „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, „Oskar und die Dame in Rosa“ sind die Titel seiner bekanntesten Bücher. Seine Werke wurden in 40 Sprachen übersetzt und haben sich mehr als zehn Millionen Mal verkauft Dass er auch ein Meister der Theaterkunst ist, zeigt sich in „Hotel zu den zwei Welten“ und in „Kleine Eheverbrechen“. Zum Inhalt der Kleinen Eheverbrechen: Gilles hat durch einen mysteriösen Unfall sein Gedächtnis verloren. Seine Frau Lisa, mit der er seit fünfzehn Jahren verheiratet ist, kehrt mit ihm in die gemeinsame Wohnung zurück. Ist es wirklich seine Wohnung? Ist Lisa wirklich seine Frau? Wer ist er? Wer ist Lisa? Was für eine Ehe führen sie? Beunruhigt und amüsiert lauscht er dem Portrait, das Lisa von ihm, ihrem Zusammenleben und ihrer Liebe zeichnet. Doch sagt Lisa die Wahrheit? Ist er tatsächlich so, wie sie ihn beschreibt? Waren die beiden tatsächlich so verliebt, wie sie sagt? "Kleine Eheverbrechen" ist eine schwarze Komödie voller Überraschungen, „Seine Szenen einer Hassliebe prickeln bis zum Schluss.“ (D. Adam) Es spielen Maria und Peter Warkentin.

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Lesen Sie den Premierenartikel in der FN: Hier klicken

Aufführungstermine sind am(Samstag 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr)

27.02.2016 (Premiere)
28.02.2016
05.03.2016
06.03.2016
12.03.2016
13.03. 2016

Kartenbestellung unter Familie Warkentin (Tel. 07932 – 60 286; E-Mail: info@rdtheater.de)

Eintritt: 17 € (erm. 13 €)


Zimmer 108

„Zimmer 108“ von Gerald Aubert

Premiere: 22.10.2014

Es spielen Maria und Peter Warkentin, David Winkenstern.

Das Stück beginnt mit der Einlieferung eines jungen Mannes Anfang vierzig in ein Krankenhaus. Er kommt von einer Voruntersuchung mit Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs. Am nächsten Tag soll er operiert werden. Zimmergenosse ist ein alter Mann, der sich in seine „Krankheit“ nur geflüchtet hat, um seiner Einsamkeit zu entrinnen. Aubert zeigt, wie die beiden ungleichen Männer miteinander auszukommen versuchen, zeigt das Verhältnis der Krankenschwester zu den beiden und wie man sich in dieser extremen Situation das Leben schwer machen und doch zueinander finden kann. „Zimmer 108“ bietet viel Dialogwitz und Situationskomik.

 

 

 

 

Jener erste Blick

Für die Arbeit an unserem neuen Soloprogramm "Jener erste Blick" besuchten wir im Sommer Weimar. wo die Liebesgeschichte zwischen Goethe und Christiane Vulpius (von Goethe) stattgefunden hat.


Goehtes Gartenhaus

"Das war mir am liebsten, draußen bei den Blumen, die Dornen hatten und welk wurden, anders als die Seidenblumen, die ich bei Bertuch machen musste für Damen wie Sie."


Eine Kutsche vor Goethes Haus
am Frauenplan

 "Meine Equipage! Das war ein Triumph, als er mir die Kutsche geschenkt hat, und ich hab anspannen lassen und bin durch die Straßen gefahren. Da bewegten sich die Gardinen!"

"Nur angesehen hat er mich, und ich hab geknickst und bin rot geworden und hab gelacht, weil ein armes Mädchen nicht stolz sein darf. Er hat mich eingeladen in sein Gartenhaus."

Wir freuen uns auf die Premiere...

Jener erste Blick

Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen nach Texten von Christine Brückner
mit Maria Warkentin


Premiere findet am Samstag, den 1.Dezember um 20:00 Uhr statt. (Amtshaus Oberstetten)

Regie: Peter Warkentin


Was hätten zwei Frauen, die in verschiedenen Zeitepochen lebten, über das Glück von einem großen Dichter - Fancesco Petrarca bzw. Johann Wolfgang von Goethe - geliebt zu werden, gesagt? Die eine, Laura, wurde von Petrarca in mehr als dreihundertfünfzig Sonetten besungen, durfte aber nie "die Hand auf seine Wange legen", weil sie mit einem anderen Mann verheiratet war.  Die andere, Christiane Vulpius, ein einfaches Mädchen aus "kleinen Verhältnissen", lebte 18 Jahre im Schatten Goethes: Sie durfte sich nur in den hintersten Räumlichkeiten des Hauses aufhalten. Und doch war sie der Meinung: "besser die Freundin eines großen Mannes zu sein als die Ehefrau eines kleinen". In beiden Beziehungen war der erste Blick entscheidend. War es das große Glück, von dem jede Frau träumt?


Laura


Christine Brückner (1921 – 1996) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen; ihre originellen und geistreichen Monologe „Wenn du geredet hättest, Desdemona“ gehören zu den meistgespielten zeitgenössischen Theaterstücken. Maria Warkentin hat bereits mit ihrem Soloprogramm „Guten Morgen, du Schöne“ nach Texten von Maxie Wander gezeigt, wie gut es ihr gelingt, mit ihrem präzisen Spiel unterschiedliche Frauengestalten sehr lebendig auf die Bühne zu bringen.

Goethe-Institut Weimar

Ehemalige Schauspieler des Deutschen Theaters als Ehrengäste bei der Verleihung in Weimar

B. Atabayev
Bolat Atabayev ist ein großer Theatermann Kasachstans. Seit über 30 Jahren beschreitet der Mitbegründer des Deutschen Theaters in Almaty unerschrocken einen nicht ungefährlichen Weg innerhalb der kasachischen Kulturlandschaft.

Mit der Goethe-Medaille will das Goethe-Institut nicht nur seine Verdienste um die deutsch-kasachischen Theaterbeziehungen anerkennen, sondern Bolat Atabayev auch als einen mutigen Kämpfer für demokratische Strukturen ehren.

Bolat Atabayev liegen die Angelegenheiten der deutschen Minderheit seit jeher am Herzen und als Mitbegründer des Deutschen Theaters in Kasachstan thematisierte er deren Schicksal, noch zu Zeiten, als Deutschstämmige in der Sowjetunion mit Tabus behaftet waren. Während seiner Deutschlandaufenthalte baute er Kontakte auf, die er bis heute pflegt; etwa zum Leiter des Theaters an der Ruhr Roberto Ciulli, zum Dramatiker Volker Schmidt und zum Filmregisseur Volker Schlöndorff.

Atabayev setzt sich über die in Kasachstan noch stark verankerten konservativen Bühnentraditionen hinweg und geht dabei oft eine Gratwanderung ein - auch thematisch. Er zeigt sich in seinem künstlerischen Schaffen als offener, kritischer Gegner der herrschenden Verhältnisse, so behandelt er etwa Tabuthemen wie den Genozid an den Wolgadeutschen in Kasachstan in seinen Stücken. Mit seiner unkonventionellen Bühnenarbeit und seinem freien Stil zeige er Mut, Neues zu schaffen, so die Begründung der Auswahlkommission zur Verleihung der Goethe-Medaille.

„Meine Theateraufführungen stärken das Immunsystem der Gesellschaft. Die Menschen müssen sich selbst heilen gegen die Amoralität.



Biographie

Bolat Atabayev wurde 1952 in Kasachstan im Gebiet Taldykorgan geboren. Dort wurden zu Sowjetzeiten Familien der deutschen Minderheit zwangsange¬siedelt. So kam Atabayev früh in Kontakt mit der deutschen Sprache und Kultur. Atabayev studierte Germanistik an der Weltsprachenuniversität in Almaty und war dort anschließend zwei Jahre als Dozent tätig. Er machte 1983 seinen Abschluss an der Hochschule für Theater und Kunst in Almaty.

In den 80er-Jahren gehörte Atabayev zu den Mitbegründern des Deutschen Theaters in Temirtau und war bis 1991 als Regisseur dieses Minderheitentheaters tätig, das Anfang der 90er-Jahre nach Almaty umzog. Es folgten Theateraufenthalte in Deutschland, bei denen er neue Impulse für seine Arbeit erhielt. Von 1991 bis 2000 war Atabayev Regisseur am Kasachischen Auezov-Theater.

Bis 2003 war Atabayev Dozent an der Kasachischen Nationalen Akademie für Künste Almaty und von 2004 bis 2007 Chefregisseur im Deutschen Theater Almaty. Seit 2005 ist er Regisseur und Leiter seines eigenen Theaters Aksarai, das er zusammen mit seinen Theaterstudenten gründete. Im Juni 2012 wurde Bolat Atabayev wegen „Anstiftung zu sozialer Unruhe" verhaftet, weil er Ende 2011 für streikende Ölarbeiter in der Stadt Schanaosen öffentlich Partei ergriffen hatte. Die Verhaftung hatte deutschlandweit Proteste ausgelöst. Anfang Juli 2012 wurde Bolat Atabayev aus der Untersuchungshaft entlassen. (aus dem Programm der Verleihung)